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Novak´s Kapelle

Als Novak´s Kapelle 1967 in Wien auftauchte, war klar, daß diese Band mehr wollte als bloß Beat zu spielen. Sie präsentierte sich viel eher als harte Psychedelic-Rock-Band von internationalem Format: langhaarig, vom Mythos des Sex, Drugs & Rock´n´Roll umgeben und losgelöst vom öden österreichischen Musikalltag, der sich noch immer mit seichtem Schlager-Beat aus der Affäre zog. "Für mich war das eigentlich Punk. Das hat mit Beat nichts zu tun gehabt", erinnert sich Hans Pokora, Plattensammler-Guru und Herausgeber der Buchreihe "Record Collector Dreams" an die Live-Auftritte von Novak´s Kapelle. "Damals hätte man zwar noch nicht Punk gesagt, sondern eher Psychedelic, aber die Novak´s waren wirklich mit Abstand die wildeste Band in Wien." Sänger Walla Mauritz verfügte über beachtliches musikalisches Fachwissen und verstand es, sich mit expressivem Gestus auf der Bühne in Szene zu setzen. "Der Walla war ein phantastischer Sänger mit einer tollen Ausstrahlung. Der hatte schon damals eine richtige Bühnen-Show, etwa wie der Mick Jagger. So etwas hat es zu der Zeit in Österreich nicht gegeben", sagt Pokora. Ursprünglich an den Animals orientiert, fanden die Novak´s rasch zu einem härteren Sound und wuchsen innerhalb kurzer Zeit zu einer kultisch verehrten Band des Wiener Underground heran, was dazu führte, daß der Wiener Szeneclub Atrium sie als Haus-Band engagierte. Auch Amadeo, wo man erkannt hatte, daß ein neuer Wind wehte, zeigte Interesse und nahm die Band 1968 unter Vertrag. Ihr Debüt "Hypodermic Needle b/w Doing That Rhythm Thing" war ein KILLER, weit seiner Zeit voraus. Daß die Band im Jahr 1968 so einfach mit einem Song wie "Hypodermic Needle", der offenkundig vom Heroinkonsum handelt, davonkommen konnte, läßt sich nur mit der großen Popularität und letztendlich der wirtschaftlichen Rentabilität von Novak´s Kapelle erklären. Tatsächlich legitimierten die gut laufenden Verkäufe der Single Amadeos mutige Entscheidung, die skandalträchtigste Band des Landes zu veröffentlichen. In weiterer Folge spielten die Novak´s ein Mini-Set in der ORF-Spezialsendung "Countdown 68/69", in der die "großen Stars" der heimischen Beat- und Folk-Szene, wie etwa der Folksänger Jack Grunsky, die Folk-Pop-Band The Milestones und die Freakbeat-Band The Wallflowers präsentiert wurden. Die zweite Novak´s-Single erschien 1969 und war - ebenso wie die erste - ein prächtiger Proto-Punk-Hybrid aus psychedelischem Hard Rock und Anarchie. In kryptischem Austro-Englisch enthält der Song "Smile Please" die Aufforderung, Polizisten zu verhauen: "If you see a policeman/ Strike him down as fast (as) you can/ Try to catch him - he´s not quick/ He´s got no brain but a stick." 1971 wurde ein Demoalbum produziert, das allerdings nie eine offizielle Veröffentlichung erfuhr. In den darauffolgenden Jahren wurde es sehr viel ruhiger um Novak´s Kapelle. Erst 1977, jetzt mit Harri Stojka (Ex-Gipsy Love) als Gitarrist, meldeten sie sich mit der EP "Novakskapellelive" zurück und veröffentlichten später noch eine LP und eine EP, bevor sie sich 1980 endgültig auflösten.

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